Ausstellung

Das Ausstellungsjahr 2023 startet im März in München:

 
   
 
   

 

Und weiter geht es im Mai auf der Art Karlsruhe

 
 
   

Nach einem langen, großen Sommer geht es weiter in Hamburg auf der Affordable Art

 
 
   

Im Dezember mit dabei in der Gruppenausstellung in der

Galerie Heike Schumacher in Überlingen

 
 

 

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Aktuell

Ausstellung in der

Galerie Heike Schumacher

Hochbildstr. 22a
88662 Überlingen

Farbfarbe

Zu Arbeiten von Ralf Bittner

Im Gegensatz zu den vielen Künstlerinnen und Künstlern, die sich der sogenannten zeitgenössischen Lichtkunst verschrieben haben, kommt Ralf Bittner in seinen Arbeiten – zwischen Farbmalerei und Fotografie – offensichtlich ganz ohne fluoreszierende Leuchtmittel, aufwendige technische Apparaturen und jedwede Stromversorgung aus. Dass diese den sie Betrachtenden nichtsdestoweniger dennoch gehörig unter Strom setzen, ja in geradezu visuelle, wenn nicht sogar synästhetische Strömungen zu versetzen imstande sind, zeichnet sie in besonderem Maße aus.

Ist sie nämlich erst einmal eingeschaltet – und das ist sie bei Ralf Bittner immer –, flasht hier die Farbe allenthalben. Ein helles Flimmern und ein gleißendes Raunen von Licht ballt sich da zusammen, fliegt einem gleich lauthals um die Augen, klingt nach plötzlich neonfarbenem Brausepulver auf den Zungen, brandet an wild tumultuarischen Riffs himmlischer Gitarrengötter und anderer Heroinen an, die in dieser verwegenen Liveversion noch nirgendwo anders zu sehen und hören gewesen waren.

Was scheren uns da noch sorgsam abgezirkelte Licht-Raum-Modulatoren, wie sie dereinst etwa ein László Moholy-Nagy ersonnen hatte, und sämtliche seiner turellischen Nachfahren, wenn Farbe und Licht auch alles aus sich selbst heraus sein können. Analog, Material, Oberfläche, durchscheinender Grund, allerhand Sehstörungen im besten Sinne, auch ohne das beiläufige Mitsummen elektro-elektrischer Zutaten. Die Lichter der Großstadt und alle anderen Leuchtreklamen sind uns seit über 100 Jahrhundert sattsam vertraut, was schimmert und was glitzert, begeistert uns von Anbeginn der Zeit. Das ach so Preziose gegenwärtigen Designs – shiny, glossy, fancy – nimmt in bewährter Weise gefangen, doch was geschieht mit einem anderen Leuchten, inwendig irgendwie, dem Einfall, dem Zufall geschuldet?

Dieses Leuchten, Aufleuchten entsteht in den Werken von Ralf Bittner allmählich, erst an den Rändern, den Grenzen, den Übergängen, wo sich Farbe und Farbe, Fläche und Fläche begegnen oder sich gegenseitig überlagern. Malerische und fotografische Momente fließen schier organisch ineinander über, wo sich Schärfe und Unschärfe unvermittelt treffen, fotografische Aufnahme, optische Fundstücke und die mit Spachteln und Rakeln aufgetragene Farbe miteinander verschmelzen. Im sukzessiven Einsehen dann wird es vollends unwichtig, was auf der einen Seite Fotografie ist und was auf der anderen Seite tatsächlich aufgebrachte Farbe und Strukturen, „gemalt“ und zugleich nicht eigentlich gemalt. Fotografisch eingefangene Impressionen von Blätterformen, Zeichnungsspuren, der Rapport eines Fußbodenornaments, von beliebigen Abdeckfolien oder achtlos stehengelassenen Plastikeimern verselbständigen sich zu malerischen Lichtflächen, die hoch reflektierenden Verschichtungen der Farblacke dagegen wirken umgekehrt eher wie die Hochglanzoberfläche von Fotoabzügen.

Die weitgehende Auflösung festgefügter bildnerischer Kategorien und Konventionen – hier fotografisches Abbild, dort gemalte Erfindung – setzt sich in der Wahrnehmung der Arbeiten von Ralf Bittner weiter fort. Unversehens spielt der Bildgegenstand, das Motiv oder Sujet überhaupt keine Rolle mehr. Horizontal verlaufende Linien, die da entstehen, wo zwei Farbkompartimente aufeinander- bzw. aneinanderstoßen, mögen noch die Anmutung von Landschaftlichem vermitteln, spiegelnde Oberflächen von Grün- oder Blautönen bestenfalls die Tiefen und Untiefen von rätselhaften Naturgewässern repräsentieren, im Dunst der verschwimmenden Farbschichten der aufsteigende Nebel an zufällig fantasierten Horizonten. Im wesentlichen haben wir es allerdings mit Farblichtlandschaften im weitesten Sinne zu tun, in die wir uns selbstvergessen verlieren können, in den ebenso sinnlichen Übergängen von wirklich Gesehenem und dem in der Imagination diffus Gedachten, jene Schärfen und Unschärfen vor uns hin und her balancierend, überschäumend, rauschhaft, barock-barock gewissermaßen.

Und so treffen sich dann doch noch Lichtkünstler ganz unterschiedlicher Herkunft in den arkadischen Zwischenräumen wieder, zwischen Wirklichkeit und Einbildungskraft, Fotografie und Malerei, stets aber inmitten von Farbe „… aus der Überzeugung heraus, dass es möglich ist, Realität zu konstruieren; gestaltet nach unseren Träumen und Visionen und getragen von der Vorstellung, dass Konstrukte und Modelle genauso real sind wie alles andere.“*

Clemens Ottnad

* Olafur Eliasson – Baroque Baroque (hg. von Francesca von Habsburg, Agnes Husslein-Arco, Daniela Zyman), Ausstellung im Belvedere Wien 2015/16, Berlin 2015 (zit. nach www.in- arcadia-ego.com/olafur-eliasson-baroque-baroque/)

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Aktuell

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Heimat

Liebe Kunstfreunde und Künstler,
hiermit laden wir Sie rechtherzlich zur
Ausstellung „HEIMAT“ von Freundeskreis Kunst Unteruhldingen-Mühlhofen in der Galerie Gunzoburg, Aufkircher Str. 3, in 88662 Überlingen ein.
Ausstellungsdauer von So. 06. bis So. 27. Oktober 2019, Vernissage, So. 06.10.2019, 11 Uhr.
Der Freundeskreis Kunst Uhldingen-Mühlhofen e.V. ist 2017 20 Jahre alt geworden. knapp die Hälfte der fünfzig Mitglieder ist künstlerisch tätig. Ergänzend zu den Ausstellungen findet jeden Monat ein Ausstellungsbesuch statt, die Ziele der letzten Ausfahrten waren Basel, Bregenz, Engen, Tuttlingen, Ravensburg, Karlsruhe. Alle zwei Jahre planen die Mitglieder eine mehrtägige Reise, meistens in eine Metropole, die zeitgenössische Kunst, Architektur und Design zu bieten hat, wie z.B. Mailand, Graz oder Kopenhagen. Die Künstler decken ein breites Spektrum an Techniken, wie Malerei, Fotografie, Dreidimensionales, Installation und Video, ab.
Da in Uhldingen-Mühlhofen kein geeigneter Ausstellungsraum zur Verfügung steht, ist der Verein gezwungen FREMD zu gehen: z. B. Galerie Heike Schumacher in Überlingen, Plattform in Friedrichshafen und jetzt, im Oktober 2019 in der Galerie Gunzoburg, wieder in Überlingen. Für diese Mitgliederausstellung wählte der Vorstand das Thema „HEIMAT“, machte aber keinerlei inhaltliche Vorgaben und ließ freie Hand bei der Auswahl der Techniken. Eine kleine Auswahl an Stellungnahmen zeigt, wie breitgefächert das Bild der Heimat ist. Sie stehen stellvertretend für 22 Künstlerinnen und Künstler, die sich von diesem schwierigen Begriff inspirieren ließen.
 
Carla Chlebarovs Heimat ist nicht an einen geographischen Ort gebunden. Die Farben sind ihre Lebensbegleiter und das Atelier ist der Ort, der für sie Heimat bedeutet.
Wogegen Hannelore Bucher, die fest am See verwurzelt ist, sich vom Lied „Die Fischerin vom Bodensee“ inspirieren lässt. Heimat, die Geborgenheit vermittelt, die idyllisch verklärt sein kann – bis hin zum Kitsch.
Zu guter Letzt ätzt Ralf Bittner, die meisten Äußerungen in den Medien zum Thema Heimat seien zu gemüt- und stimmungshaft. „Man versichert sich beständig gegenseitig, wie schön man es habe und alles solle so bleiben wie es ist. Also scheint es dann, als würde der Mensch sich freiwillig selbst verzwergen, um hinterm geistigen Jägerzaun weideselig seinen Selbstgenuss wiederzukäuen.“
                                                                                                         
Künstler/innen: Carmen Baerens, Ralf Bittner, Gudrun Böhm, Sabine Braisch, Hannelore Bucher, Carla Chlebarov, Jeannette Cord, Ursula Eichinger, Dorle Ferber, Alma Göring, Sybille Groh, Fryderyk Heinzel, Karin Jablonka, Wiltrud Karitter, Barbara Knoglinger-Janoth, Michael Kussl, Manfred Mall, Isolde Nickel, Anna Rudolf, Annemarie Rudolph, Nora Schamél, Felicia Waldecker
 
 
Galerie Gunzoburg Aufkircher Straße 3 in 88662 Überlingen
 
Freundeskreis Kunst Unteruhldingen-Mühlhofen
„HEMAT“ (Fotografie, Installation, Malerei, Objekt/Bildhauerei, Papierarbeiten, Video)
Eröffnung: So. 06.10.19, 11 Uhr
Ausstellung: So. 06. – So. 27. Oktober 2019
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-18, Sa 11-13, So 14-18 Uhr
An den Wochenenden sind Künstler anwesend
www.ibc-ueberlingen.de
www.Kunst-in-uhldingen.de

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Ausstellung Artmuc

Zum zweiten Mal nehme ich dieses Jahr teil
an der

Artmuc

vom 1. bis 5. Mai
auf der Praterinsel in München

Die Öffnungszeiten sind:

Mi. – Sa 12.00 – 19.00 Uhr
So          12.00 – 18.00 Uhr

Ich freue mich über viele Besucher.
Wenn jemand eine Freikarte möchte: mir bitte eine mail senden. Ich schicke dann eine zu, solange der Vorrat reicht.

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Ausstellung

Vom 21. – 24. Februar 2019 nehme ich teil an der

Art Karlsruhe

am Stand der Galerie Heike Schumacher, Überlingen
Halle 1, Stand U01

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Ausstellung

Ausstellung von bearbeiteten Fotografien in der Kleinen Galerie in Bad Waldsee

11.November – 30. Dezember 2018

Ausstellung Ralf Bittner „Energie und Bewegung“

Kunstraum/Kleine Galerie/ Bad Waldsee

11. November 2018

Was ist Wahrheit“, fragt Pontius Pilatus. Er ahnt nicht, dass es sich eines Tages um die grundlegende Frage des 21. Jahrhunderts handeln wird, oder, um im bayerisch zeitgenössischen Jargon zu sprechen, dass diese Frage nach der Wahrheit zur Mutter aller Probleme mutieren wird.

Panta Rhei“, stellt Heraklit fest. Er ahnt nicht, dass seine Lehre vom Werden und Vergehen ihren geruhsamen Status des Dahinfließens verlieren wird und, zeitgenössisch gesprochen, alles rast. Am besten im Bruchteil von Sekunden.

Eine dahinrasende Bilderflut, ohne Anfang ohne Ende. Eine Flut, in der Realität und Wahrheit durcheinanderwirbeln, Glaube, Wirklichkeit und Lüge nicht auseinanderzuhalten sind, Subjekt und Objekt sich real nicht scheiden lassen und am ehesten hilft noch Goethes Wort: „Man sieht nur, was man weiß“. Man möchte für uns heute hinzufügen. Man sieht nur, was man ganz schnell weiß.

Ralf Bittners Ausstellung „Energie und Bewegung“ verstehe ich als Überlegung, der Wirklichkeit ein Bild zu geben oder umgekehrt dem Bild eine Wirklichkeit zu verleihen. Was ist ein Bild? Das Bild als Produkt des Künstlers? Das Bild als Produkt seiner selbst oder, wie Ralf Bittner es formuliert, das Bild am Ende mit einer eigenen Wirklichkeit?

Der 1963 in Duisburg geborene Ralf Bittner lebt und arbeitet seit langen Jahren am Bodensee. Nach seinem Studium in Köln (Völkerkunde und Afrikanistik) und schließlich seit 1994 mit seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler hat er sich mit verschiedensten Techniken und Medien bis hin zu Installationen beschäftigt. Der Betrachtung wert sind seine Schränke, Kommoden oder Regale, die er sowohl als Kunstobjekte wie auch als alltagstaugliche Möbel aus verschiedenen hochwertigen Hölzern baut. Als er 2004 die Fotographie als weiteres Medium in sein Werk aufnimmt, kommen neue Überlegungen zur Bedeutung von Wahrheit und Wirklichkeit hinzu, eingebettet in Gedanken über das Phänomen der Zeit.

Die hier gezeigten Arbeiten sind alle direkt auf Aludibond-Platten gedruckt, also keine kaschierten Papiere. Zuweilen schimmert der silberne Bildträger durch den Druck hindurch, erzeugt je nach Stand des Betrachters eigentümliche Licht- und Farbwechsel, lässt beinahe den Eindruck eines Hologramms zurück. Grundlage der hier vorgestellten Arbeiten sind Aufnahmen mit dem analogen Fotoapparat.

Das sind zum einen Naturaufnahmen, deren Entstehungsgeschichte leichter nachvollziehbar ist, weil diesen Bildern eine bewusste Auswahl des Motivs vorausgeht. Diese Naturaufnahmen beeindrucken nicht nur durch ihre Tiefenwirkung. Sie sind Ausschnitte der Natur, zugleich aber Ausschnitte des Verständnisses von Natur, denn diese Bildausschnitte sind vom Künstler bewusst gesucht und ausgewählt. Sie sind zudem mit einem Acrylglas überzogen.

Ralf Bittner nimmt den fotografischen Prozess zum Anlass nehmen, unser Sehen von Bildern zu hinterfragen, indem er diese in eine malerische Gestaltung zurückführt. Seine Arbeiten transportieren den Eindruck von Auflösung und Unwirklichkeit. Sie, spiegeln etwas Konkretes vor und sie können beim Betrachter eine Stimulation romantischer Gefühle erzeugen, bewirkt von grünen Farbtönen, Nebelschwaden und enormer Bildtiefe, die Einsamkeit suggeriert. Das Foto der Natur hat sich in wenigen Momenten der Betrachtung in eine Interpretation von Natur gewandelt. Vielleicht hätte Martin Heidegger, hätte er Bittners Arbeiten hier gesehen, gesagt: Der Künstler wendet ein Bild des Seins (= Natur) in ein Sein des Bildes. Das ist ein Kraftakt voller Energie.

Das gilt vor allem für die Mehrzahl der hier gezeigten Bilder, die nicht der Natur entstammen. Sie entstehen auf eine ganz besondere Weise. Mit längerer Belichtungszeit fotografiert Ralf Bittner mit der analogen Kamera laufende TV-Sendungen. Da die TV-Bilder in raschen Schnitten und Bildwechseln laufen, kann er nicht mehr tun als den Auslöser zu drücken. Bis die Bilder im Labor entwickelt sind, ahnt er also bestenfalls, was auf dem Film festgehalten ist.

Im Gegensatz zur Digitalfotografie, die die sofortige Kontrolle der Bilddatei erlaubt, heißt es im analogen Bereich: Warten. Zeit. Entschleunigung. Erst der entwickelte Film gibt preis, was als Bild entstanden ist. Er trifft eine Auswahl, wandelt die Fotos in digitale Dateien, die auf die Platten gedruckt werden. Es sind also von technischen Bedingungen fremdbestimmte Bilder. Sowohl die auf diese Weise vom Bildschirm abfotografierte Sequenz wie auch die durch die Länge der Belichtungszeit bestimmte Unschärfe zeigen von völliger Zufälligkeit.

Und doch haben wir ein Bild. Wir haben ein Bild von einem Bild, das wiederum aus Bildern besteht. Wir haben ein Bild ohne Anfang und Ende, zufällig begonnen mit dem Druck auf den Auslöser und zufällig beendet. Jeder dieser Arbeitsschritte ist aufgeladen mit Zeit, mit Information, mit Bewegung. Diese Inhalte zu bemerken, sie aufzunehmen, heißt, sie in der Betrachtung zu konkretisieren, sie zu interpretieren.

Ralf Bittner sagt. Ein Bild ist erst dann ein Bild, wenn der Betrachter weiß: dies ist ein Bild. Ohne Betrachtung gibt es kein Bild. Und erst in der Betrachtung wird ein Bild zur Wirklichkeit. Das lehrt uns jeden Abend die Betrachtung von Fernsehbildern.

Portrait of a flag“ heißt eine Arbeit dieser Ausstellung. Eine Flagge, aber welche? Eine Flagge, die zugleich viele Flaggen sind. Es ist eine starke Bewegung festzustellen, die aus Unschärfe erzeugt ist, so als durchquere diese Flagge gerade das Bild und es ist ein winziger Augenblick des Stillstandes der Bewegung festgehalten. Wenn das Bild nicht diesen Titel tragen würde, würden wir dann auch alle die unscharfe Welle als Flagge interpretieren? Aus dem Bild heraus vielleicht nicht. Aber aus der Kenntnis anderer Bilder heraus schon. TV-Bilder von Flaggenparaden, Gedenktagen, aufgeladen mit der Energie nationaler Mythen.

Bei mir geht es anders. Ich sehe das Bild und ordne es kunsthistorisch ein: Eugene Delacroix und sein Bild der Julirevolution 1830, „Die Freiheit führt das Volk“. Das ist die Wirklichkeit meines Bildes. Sie gilt aber nicht. Das Bild liefert anderen Betrachtern auch andere Wirklichkeit. Flatternde Fahnen auf den Fahrzeugen des Islamischen Staats vielleicht. Oder ganz anders, die Flaggenparade für den großen Kim Jong Un in Nordkorea. Das ist doch merkwürdig, meint Ralf Bittner, es ist immer ein Bildprodukt, aber wir machen in der Betrachtung, geboren aus der Unschärfe, aus der Vieldeutigkeit, geboren aus unserem eigenen Kopfkino, unsere eigene Bildinterpretation. Ralf Bittner schafft eine subjektive Bildwirklichkeit, die erst in der Betrachtung entsteht, unabhängig davon, mit welchen technischen Mitteln die Produktion des Bildes umgesetzt wurde.

Es kann also auch keine Idee geben, oder keine Botschaft, nur die Energie des Bildes, die auf den Betrachter einwirkt. Energie, die wir die Macht des Bildes nennen oder wie die Soziologen sagen, nonverbale Kommunikation erzeugen, zwischen Künstler, Bild und Betrachter. Das ist ein weites Feld auch der Kunstgeschichte und der Kunsttheorie, das hier jetzt nicht zu beackern ist. Es gilt dann über Raum- und Tiefenwirkung zu reden, über Perspektive bis hin zu überdimensionaler Bildgröße. Es gäbe dann auch die Überlegung, dass die Macht des Bildes zugleich auch die Macht des ihr zugehörigen Marktes sein könnte.

Man könnte solche Überlegungen zur Macht des Bildes auch mit der Feststellung fortsetzen, dass Bilder nicht nur Macht ausüben, was im Übrigen ja bereits ihre Eigenständigkeit umschreibt. Sie wirken manipulativ, sie beeinflussen, verfälschen. Bilder können Waffen sein. Frühere Schlachtfelder mochten Verdun heißen oder Stalingrad. Heute heißen sie YouTube oder Instagram.

Ralf Bittners Bilder liefern einen Ansatz, darüber nachzudenken, ob die Macht eines Bildes, so wie einst gedacht, allein aus der unverwechselbaren Autorenschaft eines Künstlers geboren wurde. Da zählte die Vorstellung, der Künstler sei immer stärker als sein Bild. Es sei also das Bild gar nicht zu verstehen, wenn man nicht die Absichten, Botschaften, Ideen seines Produzenten kennen würde. Aber Ralf Bittner wendet sich gegen diese Vorstellung. Seine Arbeiten sind keine Doppelgänger einer Wirklichkeit, sie sind auch keine Doppelungen seiner selbst. Sie sind nicht die Kopien oder Folien seiner Gedanken. Sie sind eine eigene Wirklichkeit, der jeglicher Anspruch fehlt, der einst der Kunst so wichtig war, nämlich der repräsentative Charakter des Bildes, zum Lob des Künstlers, aber auch zum Lob seines Besitzers.

Hier in der Ausstellung erzeugt die Wirklichkeit der Bilder eine Art Kraftraum, indem ihre Platzierung an den Wänden ein neues großes Bild erzeugt. Ralf Bittner legt Wert darauf, dass er keine Serien schafft, auch wenn die Technik und Abläufe der Herstellung das suggerieren können. Aber er will erreichen, dass eine Korrespondenz im Raum entsteht und sich die Energie der Bilder im Raum in der Betrachtung entlädt.

Manchen Arbeiten verleiht Ralf Bittner nachträglich den Status eines Unikats. Er übermalt einen Teil im unteren Drittel der Platte. Es scheint, als ob das Bild ein zusätzliches Podest erhält, auf dem es ruhen kann. Bittner produziert einen eigentümlichen Widerspruch zwischen Statik und Bewegung, zwischen Energie und Ruhe. Schriften erscheinen als Bildtitel oder Hinweise auf seine Gedanken. Sie wirken mir wie eine Art literarischer Anmerkungsapparat. Zwingend sind die Vorgaben nicht, man kann die kalligraphischen Ergänzungen auch als Teil der reinen Bildwirkung aufnehmen. Jedenfalls ist dann aber aus dem immer wieder reproduzierbaren Bild ein Unikat entstanden. Damit verstärkt Bittner nochmals den Erlebnischarakter seiner Bilder.

Was also ist Wahrheit? Wir haben da ein kleines Problem. Wir wissen es nicht. Begriffe wie „Wahrheit“ oder auch „Wirklichkeit“ zählen zum zentralen Wortschatz unserer Mediengesellschaft, aber – und da setzen Ralf Bittners Arbeiten Ausrufezeichen, alles was wir „Wahrheit“ nennen oder „Wirklichkeit“, haben wir uns – erstens- individuell zurechtgezimmert oder – zweitens- in verdrehten philosophischen Schulen zurecht schreiben lassen oder -drittens- aus einer

überbordenden Informationsfülle heraus zu einem hilfreichen Instrument der Lebensbewältigung durch einen Psychotherapeuten zusammenschustern lassen. Die Schwierigkeit dabei, und davon handeln Ralf Bittners Arbeiten, die Schwierigkeit ist, dass unsere Wahrnehmungsfähigkeit zeitlich und inhaltlich eben auch sehr begrenzt ist. Die Ruhe zu finden, über Gehörtes und Gesehenes nachzudenken, zu reflektieren, sich Gedanken zu machen, was uns denn da schon wieder als Wahrheit oder Wirklichkeit angeboten wird, diese Ruhe und diese Zeit haben wir nicht. Und so fehlt uns letztendlich der kritische Gedanke, dass unser Dasein ein nur mit größter Anstrengung bewahrtes, sehr künstliches Konstrukt bleibt, in gewissem Ausmaß auch in seinen Auswüchsen gesellschaftlich akzeptiert. Wenn man es ganz negativ sagen möchte, eigentlich ein unmenschliches Dasein.

Im Jahr 2007 hat der französische Kunstkritiker Louis Marin ein Buch herausgebracht, das es auch in deutscher Übersetzung gibt. Der Titel „ Von den Mächten des Bildes“.1)

Marin lehnt ein Bild ab, das nur eine vorhandene Präsenz wiederholt. Der Widerschein der Wirklichkeit, der sich an vermeintlich Realem orientiert, sei nur Abklatsch und Trugbild. So wie unser gesellschaftlicher Status auch nur ein Trugbild, eine Selbsttäuschung bleibt.

Er fordert, Bilder zu schaffen, die das nicht Sichtbare, das Abwesende präsent machen. Er möchte Bilder, deren Mehrwert nicht in der Autorenschaft des Künstlers liegen, sondern in der Autorenschaft des Bildes selbst. Bittners Arbeiten, meine ich, können dieser Forderung standhalten. Damit ist auch klar, diese Arbeiten sind alles andere als kunstvolle Spielereien mit Sehgewohnheiten und Betrachtungsweisen.

Es wird gefragt nach dem Verhältnis vom Bild zum Abbild. In solchen Reflektionen ist das Verhältnis von Natur und Mensch, von Objekt und Subjekt, aber auch das eigene Tun des Künstlers in Frage gestellt. Am Ende der Reflektionen kann der Künstler nicht die Welt sichtbar machen, sondern das Handeln des Menschen in allen positiven und negativen Ausformungen. Er macht kein Bild der Wirklichkeit, sondern ein Bild des Zustandes der Welt, von dem geglaubt wird, oder wenigstens eine Übereinkunft vorhanden ist, dass dieser Zustand real sei.

Wir sollten uns wohl auf den Gedanken einlassen, dass Wirklichkeit nur eine Reflektion dessen ist, was man Energie und Bewegung nennen könnte.

Machen Sie sich alle ein Bild. Gleich jetzt in dieser Ausstellung.

Thomas Warndorf

  1. Louis Marin: Von den Mächten des Bildes. Louis Marin Werkausgabe, hrsg. von Michael Heitz und Heinz Jatho unter Mitarbeit von Till Bardoux. Diaphanes Verlag Zürich, 2007

 

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Ausstellung

Ausstellung von Fotoarbeiten der letzen Jahre zeigt Ralf Bittner in der Kanzlei am See.

Ausstellung von Ralf Bittner
Einladung

Im folgenden der Pressetext zur Ausstellung:

„Ideal Icons“ nennt Ralf Bittner seine Ausstellung großformatiger Fotoarbeiten in der Kanzlei Am See, und meint damit keine Zustandsbeschreibung der von ihm entwickelten Bildsprache.
Das visuelle Erleben der Menschen heute wird geprägt durch die Ikonografie der Medien mit ihrer bildgewaltigen Allgegenwart. Aus diesem Pool bedient sich der Künstler, indem er daraus seine Motive extrahiert und ihre Deutung hinterfragt..
Waren es in früheren Zeiten religiöse oder mythologische Bilder, so formulieren heute Superstars das Glücksversprechen für den modernen Menschen, von denen sich eine dann auch ganz folgerichtig Madonna nennt. Ralf Bittner versucht nun, die visuelle Wirklichkeit der Wahrnehmungsdifferenz zwischen dem Objekt der Erscheinung und der ästhetischen Erfahrung aufzuzeigen.
Da Wahrnehmung selbst schon Objektkonstruktion ist, Erzeugung eines Wahrnehmungsbildes, ist auch diese nicht notwendig realer als das Bild. Um demnach die Behauptung der Fotografie zu unterlaufen, eine subjekt- und bedeutungsfreie dokumentarische Objektivität darzustellen, transzendiert Ralf Bittner das Medienbild von Pop-Ikonen dass letztlich die Erscheinung des vorgestellten Bildes hoch artifiziell wird und auf ihren Ursprung als Kunstprodukt in doppelter Weise verweist.

Durch diesen Eingriff wird die Wahrnehmung selbst als schöpferischer Akt deutlich gemacht, da der Kontext zwischen Bildquelle und visualisierten Bild nurmehr freie Interpretation ist.. Das Objekt der Wahrnehmung sowie seine Wirklichkeitskonstruktion verbleiben als rein ästhetische Erfahrung, und dem Betrachter entsteht ein neuer Erfahrungsraum durch den erweiterten Sinnzusammenhang.

Die Arbeiten sind in verschiedenen Techniken gefertigt, zb. als hochwertige Diasecs, elegante, matt schimmernde Direktdrucke auf Aludibond oder als klassische Fotoabzüge auf Aluminium kaschiert. Viele der Bilder wurden von Ralf Bittner manuell nachbearbeitet, dass sie also als Unikate anzusehen sind.

Die Ausstellung eröffnet am Do., den 12. April um 18 Uhr in der Kanzlei Am See. Sie wird bis Ende August nach vorheriger Absprache zu den üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen sein.

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Art Bodensee

Mit neuen Fotoarbeiten nehme ich in diesem Jahr an der Messe Art Bodensee in A-Dornbirn teil. Am Stand der Galerie Heike Schumacher in Halle 11 Stand 66.

Fr.21.7.-So.23.7.2017 jeweils 11-19Uhr

Ich freue mich auf Euren Besuch!!!!

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Art Bodensee

Auch in diesem Jahr bin ich wieder durch die Galerie Heike Schumacher auf der Art Bodensee vertreten und mit einigen neuen Fotoarbeiten dabei:

Halle 11 Stand 66

AB17 Header

 

 

 

 

 

 

 

die 17. Art Bodensee bietet von 21. bis 23. Juli mit neuen Hallen, mehr Galerien und einem neuen Termin noch mehr Vielfalt. 

Über 70 internationale Galerien präsentieren moderne und ganz junge Kunst, Malerei und Zeichnung, Fotografie und Skulptur. Eine beeindruckende Sonderschau, zahlreiche Institutionen aus der Region, künstlerische Highlights, die Präsentation des „featured artist“ oder ein vielseitiges Programm für Kinder und Kunsteinsteiger machen die Art Bodensee in Dornbirn wieder zur wichtigsten Kunst-Plattform der Vier-Länder Region.

Fakten zur 17. Art Bodensee:

  • Termin: 21. bis 23. Juli 2017, Preview am 20. Juli 2017
  • Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19 Uhr
  • Homepage: www.artbodensee.info
 
 
 
 

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