tuned in

Was Ralf Bittners Arbeit in all seinen Werkserien kennzeichnet, ist die konsequente Zuhilfenahme des- wenn man so sagen kann: gesteuerten Zufalls. Dafür bedient er sich verschiedener Arbeitsmethoden, die die völlige Kontrolle über das Farbgeschehen ausschließen. Verschiedene Druck- und Transfertechniken kommen zum Einsatz, Arbeitsgeräte wie Spachtel, Rakel und Rolle, deren Handhabung auch mit viel Erfahrung immer ein wenig ungesteuert bleibt.
Und Materialien werden verwendet, die sich gegenseitig ausschließen, und so selbstständig in einen Prozess der Bildwerdung treten.

Die dahinterstehende Intention ist dabei, das Bild nicht zu bestimmen und den auktorialen Vorstellungen zu unterwerfen. Überhaupt sollen gar keine Vorstellungen abgebildet, keine Geschichten erzählt und Fiktionen bebildert werden.
Ein autonomes Werk soll entstehen, dass auf keine Realität außerhalb seiner selbst verweist, vielmehr sein eigenes, reales Subjekt ist. Das Bild bleibt dadurch offen und ermöglicht es so dem Betrachter, es sich selbst zu eigen, sich ein eigenes zu machen.
Ebenso, wie niemals zwei Menschen denselben Eindruck des gleichen Baumes haben, sehen diese das gleiche Bild. So gesehen, ist Realismus eine Fiktion, der Gedanke an Objektivität, die aber nicht gegeben ist, sich allenfalls konzeptuell herstellenlässt. Und realistische Kunst ist idealistische Kunst, weil sie das Ideal eines objektiven Bildes verfolgt, die Realität sich aber stets wandelt.

Erst in der Abstraktion findet sich Realismus, weil sie sich mit der Wirklichkeit beschäftigt, die ein Bild ausmacht: der Wirklichkeit der Farben, Formen, Prozesse und (Umgebungs)bedingungen.

Share This: