Die Unschärfe
in der Kunst hat eine lange Geschichte. Schon in der Malerei der Renaissance
beförderte das Diffuse und in geheimnisvollen Nebel entrückte das Atmosphärische
und liess dem Betrachter Raum für eigenes Erleben. Unverkennbar bei Ralf
Bittnners Fotoarbeiten ist nun, dass sie keine Natur reproduzieren, sondern
sich der medialen Wirklichkeit zuwenden, die sich tagtäglich aus unseren
Fernsehapparaten ergiesst, deren Bildwirklichkeit hinterfragt und in einen
malerischen Anschein zurückführt. Seine Arbeiten transportieren den Eindruck
von Auflösung und Unwirklichkeit, und werden dabei gehalten von wirklich
gemalten Flächen oder Einschüben von Wörtern, die eine Konkretion vorspiegeln,
die sich nicht so ohne weiteres erschliesst. Während die Bildinhalte vermeintlich
zerfliessen, bleiben Rudimente von Information klar bestehen und schaffen
ein labiles Gleichgewicht: hier Aussage, dort Unschärfe, hier fotografierter
Film, dort assoziative Erweiterung. Idealerweise hält hierbei der Betrachter
die Balance zwischen sich auflösender Zeit und eigenständiger Positionierung
in dem von den Bildern hergestellten Spannungsbogen von in Frage gestellter
Wirklichkeit und konkret formulierter Anschauung