Ein Bild ist kein Bild

Die Wirklichkeit der Bilder ist zuerst die Wirklichkeit ihrer eigenen Bedingungen. Es sind dies die Erscheinungen von Farbe, ihre Tonalität und Gestaltung. In gleicher Weise aber auch des materiellen Trägers, der dieser Erscheinung Form und Struktur verleiht, sowie die Korrespondenz des Bildes zum Raum. Diese Bezüge sind es, mit denen Ralf Bittner arbeitet und auf die er hinweisen möchte. In seiner Arbeit geht es ihm rein um das Erlebnis, das Geschehen von Farbe. Dabei soll ein Bild kein ideales sein, das heißt, es soll nicht die Ableitung einer Idee oder geistigen Vorstellung sein, weil deren Erscheinung immer nur Subjektkonstruktion ist.

Destination Sils Maria
Diasec, 120×86 cm, 2015

Die konventionelle Forderung nach Authentizität beantwortet Ralf Bittner durch eine Methodik, die scheinbar zufällig Bilder findet. Dabei wird nicht von der bewussten Herstellung einer mentalen Imago ausgegangen, die es dann auszudrücken gilt, sondern die Arbeit wird der mechanischen Gestik der Hand überlassen. Erst in späteren Überarbeitungen werden deren natürliche oder naturhafte Äußerungen modifiziert und unterstrichen.

Dieses Ausschalten privater Intelligiblität und Evidenz führt dann zu Bildern, die ohne Intention ihren eigenen bildimmanenten Bedingungen unterworfen, sozusagen aus sich selbst entstehen. Komposition oder Bildaufbau bleiben ohne Berücksichtigung. Auch andere pikturale Prinzipien wie Harmonie oder Proportion dürfen sich zwar einstellen im Prozess der Arbeit, werden aber nicht angelegt oder eingefordert.

Indem sie den Bereich des deutbaren und eine Deutung ansprechenden Idealen verlassen, verweisen diese Arbeiten auf ihre eigene Wirklichkeit, zu der sich der Produzent genauso wie der Rezipient desselben als Zuschauer eines Geschehens verhält. Ralf Bittner agiert damit ähnlich wie Daniel Buren, der schon 1970 seine Arbeitsweise mit den Worten beschrieb: Es regnet, es schneit, es malt.

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